„Wen soll ich wählen?“ Mit wenigen Klicks zum eigenen Wahl-O-Mat!
Am 08.03.2026 finden die Kommunalwahlen in Bayern statt. Unter anderem werden der Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin, der Gemeinderat, der Kreisrat und der Landrat bzw. die Landrätin gewählt.
Obwohl die Kommunalwahlen die größten Auswirkungen auf die lokale Politik einer Gemeinde und Stadt haben, ist das Angebot an Parteiinformationen regional sehr unterschiedlich. Zur Bundestagswahl können Plattformen wie der „Wahl-O-Mat“ verwendet werden, um die eigenen Vorstellungen mit den Parteiprogrammen abzugleichen und eine Tendenz zu ermitteln. Bei der Kommunalwahl ist das anders. So auch in Unterhaching. Wer sich über antretende Parteien informieren möchte, muss auf die jeweilige Internetseite der Partei gehen, das Programm finden, lesen und verstehen. Noch schwieriger wird diese Aufgabe, wenn mehrere Parteien verglichen werden sollen. Fast unmöglich wird es bei sieben Parteien.
Viele der Aufgaben von Gemeinden und Städten sind per Gesetz oder Anordnung vordefiniert, daher ähneln sich auch die Parteiprogramme in diesen Themen. Billigeres Wohnen oder eine bessere Kinderbetreuung sind wiederkehrende Themen. In einem Vergleich von Programmen geht es also mehr um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die eine Partei z. B. nach eigenen Vorstellungen unwählbar machen.
Die Wahl der Partei ist eine wichtige Entscheidung, rechtfertigt aber für den normalen Bürger keine stundenlange Einarbeitung in Wahlprogramme. Ein Wahl-O-Mat auf Kommunalebene, der Programme zusammenfassen kann, Unterschiede aufzeigt und sich persönlichen Fragen stellen kann, wäre daher willkommen.
Im Nachfolgenden wird eine Anleitung beschrieben, mit der ein eigener Wahl-O-Mat basierend auf den Wahlprogrammen umgesetzt werden kann. Die Ergebnisse der einzelnen Schritte werden in diesem Artikel veröffentlicht, damit auch technisch Unerfahrene dieses Angebot nutzen können.
Wahlprogramme
Dieser Abschnitt erklärt, wie die Parteiprogramme automatisiert heruntergeladen und in eine identische Form gebracht werden können.
Leider gibt es keine öffentliche Datenbank, in der die Parteien ihre Programme in einer identischen Form hochladen, sodass diese Informationen gleich verwendet werden können. Mit einem Python-Script können die Wahlprogramme heruntergeladen und als Markdown gespeichert werden. Die Adressen der jeweiligen Parteiprogramme sind hier aufgelistet:
urls = {
"CSU": "https://csu-unterhaching.de/wahlprogramm/",
"GRÜNE": "https://gruene-unterhaching.de/unser-wahlprogramm-zur-kommunalwahl-2026/",
"SPD": "https://spd-unterhaching.de/workspace/media/static/wahlprogramm-spd-unterhaching-6932b398caaac.pdf",
"FWU": "https://www.fw-unterhaching.de/fileadmin/Verbaende/ov-unterhaching/Aktuelles/Kommunalwahl_2026/Wahlprogramm_2026_final.pdf",
"FDP": "https://www.fdp-unterhaching.de/wp-content/uploads/2026/02/Flyer-2026-v11-PDF.pdf",
}
Wenn Sie das Skript selbst mit eigenen URLs testen möchten, finden Sie hier das Skript.
Wenn Sie sich das Arbeiten mit einem Python-Script nicht zutrauen, können Sie die extrahierten Wahlprogramme direkt herunterladen.
KI
Dieser Abschnitt erklärt, wie die Wahlprogramme mittels eines "Prompts" ausgewertet werden können.
Die Wahlprogramme im identischen Format dienen als Grundlage für die Auswertungen mittels eines LLM (Large Language Model). Hiervon gibt es Unterschiede auf dem öffentlichen Markt. Die bekanntesten sind ChatGPT, Gemini und Grok. Es empfiehlt sich, die Auswertung mit unterschiedlichen Modellen auszuprobieren, da jedes Modell aufgrund seines Trainings einen gewissen Bias enthalten kann.
Zu Demonstrationszwecken verwenden wir Gemini Pro 3.1.
Als Erstes werden die fünf generierten Dateien hochgeladen, damit das LLM diese lesen und verarbeiten kann.
Der erste wichtige Schritt, das Bereitstellen von Daten, ist getan. Als Nächstes wird ein Prompt benötigt, also die Anweisung an das LLM, was es mit den Daten tun soll. Hier können Sie grundsätzlich kreativ werden und alle möglichen Fragen stellen.
Ein paar Hinweise:
- LLM funktionieren zuverlässiger, wenn ihre Sichtweise zu Beginn definiert wird. z. B. Du bist neutraler Politikanalyst
- Wiederholen Sie, dass das LLM sich nur auf die bereitgestellten Daten beziehen darf, sonst werden ggf. fehlende Daten aus dem Internet herangezogen.
- Betonen Sie, dass keine Annahmen getroffen werden dürfen. LLM’s halluzinieren und denken sich Informationen aus. Diesem können Sie entgegenwirken, indem sie klarstellen, dass bei fehlender Grundlage das so wiedergegeben werden muss. Fordern Sie grundsätzlich Quellen an.
- Vermeiden Sie offene Fragen wie: „Wen soll ich wählen?“, „Welche Partei ist die beste“?
In dieser Auswertung möchten wir prinzipiell einen Überblick über alle Parteien erhalten, bei welchen Themen sie sich einig sind und wo die größten Unterschiede liegen. Eine Tabelle soll eine Zusammenfassung zu den jeweiligen Themen liefern. Zum Abschluss soll das Parteiprogramm jeder Partei noch zusammengefasst werden.

Um diese Anforderungen bestmöglich abzubilden, wird der folgende Prompt verwendet:
Rolle: Du bist ein politisch neutraler Analyst.
Material: Du darfst ausschließlich die von mir bereitgestellten Wahlprogramm-Texte verwenden (keine externen Quellen, keine Vermutungen).
Aufgabe: Erstelle einen strukturierten Vergleich der Parteien. Keine normativen Bewertungen (kein besser/schlechter), nur beschreiben. Keine Unterstellungen über Motive, nur Ziele/Maßnahmen aus dem Text.
Schritt 1 – Themencluster: Fasse die Inhalte in 8–12 übergreifende Themen zusammen (z. B. Wohnen, Verkehr, Klima/Energie, Finanzen/Steuern, Sicherheit, Bildung/Kitas, Wirtschaft/Gewerbe, Soziales, Digitalisierung/Verwaltung, Integration).
Schritt 2 – Position je Partei: Für jedes Thema: gib pro Partei eine Position in max. 2 Sätzen wieder, ohne Häufigkeiten zu werten (ein Punkt zählt nicht mehr, nur weil er öfter erwähnt wird).
Schritt 3 – Konsens vs. Konflikt: Markiere je Thema:
„Einig“ (wenn mehrere Parteien in dieselbe Richtung argumentieren)
„Unterschiede“ (wenn Ziele/Maßnahmen klar auseinanderlaufen)
Schritt 4 – Größte Unterschiede: Nenne die Top 5 Konfliktlinien insgesamt und begründe kurz, warum (z. B. gegenteilige Zielsetzung, stark unterschiedliche Mittel, unterschiedliche Prioritäten).
Schritt 5 – Belege: Jede Parteiaussage muss einen Beleg im Format tragen: (Partei, Abschnitt/Überschrift, kurzer Textauszug oder Satzanfang). Wenn zu einem Thema nichts steht: „Nicht im Text“.
Ausgabeformat:
Tabelle: Zeilen = Themen, Spalten = Parteien (Kurzpositionen) + Spalte „Einig/Unterschiede“
Liste: „Wo sie sich einig sind“ (max. 10 Punkte)
Liste: „Größte Unterschiede (Top 5)“
Mini-Steckbrief je Partei: 5 Bulletpoints „Wofür sie steht“ (nur aus dem Text)
Nach kurzer Rechenzeit sollte das Modell ihren Prompt und die Eingabedaten verarbeitet haben und eine Tabelle anzeigen, genauer gesagt die Parteien gegenüberstellen.
Die Auswertung des Prompts mit den Parteiprogrammen unter Gemini Pro 3.1 finden Sie nachfolgend, falls Sie an den Ergebnissen interessiert sind.
Der in dieser Auswertung verwendete Prompt ist nur ein Beispiel. Er zieht darauf ab, die Programme so neutral wie möglich gegenüberzustellen. Selbstverständlich können Sie auch Gewichtungen vornehmen:
Meine Prioritäten: Wohnen=3, Verkehr=3, Finanzen=2, Klima=2, Sicherheit=1, Sonstiges=0. Nutze diese Gewichte; keine eigenen erfinden.
Wenn Sie ein Thema ablehnen und als Ausschlusskriterium sehen, können Sie den Prompt z. B. folgendermaßen anpassen:
Meine Präferenz-Regeln (für Flagging):
No-go X: Ich lehne Thema X ab. Wenn eine Partei X unterstützt, X einführen/ausbauen will oder X positiv framet, markiere das als „⚠️ Widerspricht No-go X“.
Belege: Jede Markierung muss mit einem direkten Textbeleg erfolgen (Partei + Überschrift/Abschnitt + kurzer Auszug).
Unsicherheit: Wenn der Text zu vage ist, markiere „Unklar“ statt zu raten.
Neutralität: Beschreibe weiterhin sachlich; keine moralische Wertung, nur „passt zu meinen Regeln / passt nicht“.
Zusammenfassung
Dieser Beitrag erklärt und visualisiert, wie die unterschiedlichen Wahlprogramme von Parteien mittels eines Scripts automatisch heruntergeladen und extrahiert werden können und wie eine KI verwendet wird, um gezielt eine Zusammenfassung zu Themen zu erhalten. Der Prompt kann auch angepasst werden, um Prioritäten festzulegen oder Präferenzen zu definieren. Dies ermöglicht den Bürgern und Bürgerinnen, basierend auf den öffentlich zugänglichen Informationen eine politische fundierte Entscheidung zu treffen, ohne sich stundenlang in Parteiprogramme einarbeiten zu müssen. Für zuverlässige Ergebnisse ist es notwendig, eine solide Datengrundlage zu schaffen, stets Quellen in den Auswertungen zu verlangen und präzise Fragen zu stellen.