Was uns langweilige Protokolle über das Engagement von Politiker verraten

Endlich Wochenende - Zeit für Familie, Freunde oder Füße hochlegen. Oder in meinem Fall Zeit für das "Rats- und Bürgerinformationssystem", in dem die Gemeinde Unterhaching alle Niederschriften und Dokumente ablegt, die der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden müssen.
Nur wenige verirren sich hierhin (https://unterhaching.gremien.info/), denn es gibt Schöneres als Protokolle in Beamtendeutsch zu lesen und vor allem verstehen zu wollen.
Mein Ziel war eigentlich ganz klar. Laut Geschäftsordnung stehen Fragen, die zu Beginn einer Gemeinderatssitzung gefragt werden können, in jenen Protokollen. Da in wenigen Monaten die Wahlen anstehen, wollte ich ein gesellschaftliches Stimmungsbild erstellen.
Leider findet sich in keinem der Protokolle der letzten Jahre irgendein Hinweis auf Fragen in Gemeinderatssitzungen. Fragen wurden auf jeden Fall gestellt. Zwei Mal war ich als Gast dabei und habe selbst auch einmal zum Mikrofon gegriffen. Davon fehlt in den Protokollen leider jegliche Spur.
Leider fehlt auch eine Vielzahl von Protokollen, aber das ist eine andere Geschichte.
Aufgeben wollte ich zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, denn irgendwelche Informationen müssen doch in diesen Protokollen schlummern.
Als nächstliegend interessant erwies sich die Aufstellung der Anwesenheiten von Gemeinderatmitgliedern. Konkret, wer dem Aufruf des Bürgermeisters gefolgt und erschienen ist und wer verhindert wurde. Zu meiner Überraschung wird auch festgehalten, wer unentschuldigt fehlt.
Damit war das neue Ziel schnell gefunden: Finde die Person, die am häufigsten unentschuldigt fehlt. Ähnlich wie in der Schule – Wer hat am meisten Fehltage und ist in der Versetzung gefährdet?
Leider führt die Gemeinde Unterhaching darüber keine Statistik, somit muss selbst Hand angelegt werden. Also alle (vorhandenen) Protokolle herunterladen, Namen und Anwesenheit extrahieren und zusammenfassen. Dann in der Programmiersprache der Wahl einen schönen Graphen erzeugen und den Übeltäter (Spoiler!) ermitteln. Dieser Prozess hat in Summe 4 Stunden gedauert.

Sehr vorbildlich hat der Bürgermeister Wolfgang Panzer nicht ein einziges Mal gefehlt (oder das Protokoll in dem er gefehlt hat ist nicht hochgeladen worden bzw. fehlerhaft ausgefüllt worden).
Es ist schön zu sehen, dass eine Vielzahl von Personen, über alle Parteien hinweg, regelmäßig zu den Gemeinderatssitzungen erscheint und ihre Aufgabe (zumindest mit der Anwesenheit) erfüllt.
Die gelben Bereiche, also entschuldigt, sollen keineswegs negativ auslegt werden, denn das Protokoll enthält keinerlei Informationen über die Gründe.
Vereinzelt blitzen rote Flecken auf, also unentschuldigt fehlend. Vor allem zwei Personen stechen hierbei hervor. Die beiden CSU-Politiker Michael Durach und Anton Schrobenhauser sind beide in 16% der Fälle unentschuldigt gewesen. Herr Schrobenhauser war in Summe sogar seltener anwesend als abwesend.
Die Interpretation hiervon überlasse ich Ihnen (dem Leser / der Leserin). Meine Aufgabe ist erfüllt und ich habe meine Schwänzer gefunden.

Übrigens gibt es neben dem Gemeindeausschuss noch weitere Ausschüsse, so z.B. den Finanzausschuss, in dem ... über Finanzen gesprochen wird. Da nicht alle Personen gleichzeitig Mitglied in einem Ausschuss sind, gibt es hierfür eine Sonderregelung. Personen können entweder entschuldigt sein (auch unentschuldigt, jedoch wird das nicht vom Protokoll abgebildet) oder sich von einer anderen Person vertreten lassen.
Die spannende Frage war also: Wer lässt sich am häufigsten vertreten oder vertritt andere?

Diesmal führt die CSU die Liste an, jedoch hat sich auch die Skala geändert und somit fällt Michael Durach erneut auf, denn in 4 Jahren wurde er 15 Mal vertreten und fehlte 7 Mal entschuldigt. Zumindest ist er konsequent selten im Gemeinderat und seinem Ausschuss.
Die Gründe für das entschuldigte Fehlen können vielerlei sein und die Protokolle enthalten keinerlei Informationen über Gründe. Es steht mir oder anderen Personen auch nicht zu, darüber zu urteilen.
Protokolle sind nicht langweilig, wenn sie in einen Kontext gesetzt werden und über eine lange Zeit untersucht und bewertet werden. Das gezeigte Beispiel ist nur eines von vielen. Die beiden Mitglieder der NEO-Fraktion haben ähnliche Abwesenheitswerte. Als nächster Schritt könnte man untersuchen, ob sie nach dem Motto: Oh du kommst nicht, dann ich auch nicht, dem Gemeinderat fernbleiben. Aber das ist ein anderes Kapitel.